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Yael Katz Ben Schalom | Bauhaus in Israel: Von Utopie zur Heterotopia

 
 

„Artneuland” befindet sich auf dem Höhepunkt seines Arbeitsprozesses am Bauhausprojekt. Während sich die Fotografen intensiv mit den diversen Objekten auseinandersetzen, liefern die Theoretikerinnen die notwendigen begrifflichen Zusammenhänge und den kritischen Dialog. Einmal im Monat trifft sich die Gruppe, um den Verlauf der Arbeiten zu diskutieren. Es folgt eine Aufstellung der fotografischen Aktivitäten:

Das Bauhaus in Israel − Arbeitsprozesse

Konzept

Die Ausstellung über das israelische Bauhaus − „Von Utopie zur Heterotopia” − beschäftigt sich mit der Frage nach einer zentralen Identität, die mehrere historische Epochen überspannt – vom 19. Jahrhundert bis in unsere heutige Zeit.

 Dieses Identitätsproblem soll hier mit Hilfe der Architektur beleuchtet werden, wobei versucht wird, ihm mit Hilfe von letzterer eine Tiefendimension zu verleihen. Israel ist ein junger Staat, der den ungelösten Komplex einer Spaltung hinter sich herzieht, einer Dichotomie zwischen Orient und Okzident, zwischen Ost und West. Seine Anfänge reichen in die Zeit zurück, als sich der jüdische Nationalismus im Land Israel zu entwickeln begann. Die weitgehend in Europa entstandene zionistische Bewegung schuf eine nationale Infrastruktur, die auf einer modernen, westlich orientierten nationalen Vision basiert, gleichzeitig jedoch versucht, auch altertümliche jüdische Traditionen einzubringen. „Altneuland”, das legendäre Werk Theodor Herzls, des Vordenkers des neuen Judenstaates, schuf die Grundlagen für diesen Konflikt − indem es dazu auffordert, Vergangenheit und Zukunft miteinander zu verbinden, altes und Neues, Tradition und Moderne.

Der Internationale Stil und das Bauhaus gelangten als Bestandteil der zionistischen Vision ins Land und stießen auf eine komplexe theoretische Herausforderung − wie sollte der Westen in den Nahen Osten integriert werden? Das ist die zentrale These der Ausstellung. Sehr bald schon entstand ein Konflikt, der sich allmählich in einen tiefgreifenden nationalen Zwist zwischen der zionistischen Bewegung und ihrem Modell des Judenstaates und jenes arabischen Wesens entwickelte, das als Teil des ottomanischen Imperiums bereits vor Ort vorhanden war. Dieser nationale Konflikt schuf zahlreiche und profunde Gegensätze, darunter auch die Frage der Architektur und ihrer Umgebung. Diese Ausstellung will den Kern dieses Konflikts ins Zentrum rücken, eines Konflikts, der die Diskrepanz zwischen Ideal und Realität widerspiegelt, zwischen Willen und Notwendigkeit, zwischen architektonischer Planung und deren Umsetzung in die Wirklichkeit.

Fast alle Architekten, die mit den zionistischen Einwanderungswellen ins Land kamen, träumten denselben Traum von einem Bauprojekt in nie zuvor bekannten Dimensionen. Urbane Planung, Seite an Seite mit landwirtschaftlichen Siedlungen, große Stadtmetropolen neben kleinen, peripheren Städtchen. Die meisten dieser Architekten hatten an namhaften westlichen Hochschulen studiert, nicht wenige von ihnen kamen aus der Schule des Bauhaus. Die Ausstellung führt zu einer Begegnung zwischen jenen Architekten und den aktuellen architektonischen Gegebenheiten im Land – betrachtet durch das Medium Kamera. Tatsächlich ist dieses Bündnis zwischen Architektur und Fotografie eine Art Untertitel der Sammlung − ein eigenständiges, spannendes Begleitthema. Hier treffen sie aufeinander, die bedeutendsten Architekten des Bauhaus in Israel und die Fotografen von heute, die ihre Umwelt mit kritischem Blick hinterfragen.

Hinzu gesellt sich der zeitgenössische theoretische Ansatz der israelischen Architektur. Durch Erforschen und kreatives Schaffen richtet die Ausstellung ihr Augenmerk auf das Problem des Bauhaus im orientalischen Kontext. Sie schöpft aus dabei aus den verschiedensten Quellen:

Le Corbusiers Artikel „Reise durch den Orient”, der die Problematik in einer aufschlussreichen Skizze umreißt; Erich Mendelsons Werk „Die mediterrane Akademie”, das vorschlägt, das Bauhaus den örtlichen Gegebenheiten anzugleichen; das Magazin „Habinyan − der Nahe Osten”, erschienen 1936-1939; der Artikel Julius Posners‛, eines Architektur-Theoretikers, der sich mit der Frage der israelischen Verwurzelung gegenüber dem israelischen Internationalismus auseinandersetzt; der Architekt Louis Kahn, Erbauer zahlreicher Projekte in Tel-Aviv, Bangladesch und Pakistan, der sich sowohl mit dem Internationalen Stil als auch mit dem Orient befasste; der „Neuer Orient” genannte Tel-Aviver Zirkel; Gedess und seine Betrachtungen zur „Gartenstadt” und dergleichen mehr.

Insgesamt erzeugt die Ausstellung das Modell einer Synthese aus künstlerisch-fotografischer Darstellung und historischer Forschung. Neben den neuen Arbeiten werden historische Texte und Aufnahmen gezeigt. Die Ausstellung bewegt sich auf dem Grat zwischen ästhetischen Ansätzen, die den fotografischen mit dem professionellen architektonischen Blick verbinden, zwischen Arbeitsplanung und der tatsächlichen Ablichtung der Modelle, zwischen dem Gebäude selbst und der kritischen Theorie.

Yael Katz Ben Shalom (curator) Director



// January 2005
 
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